Alterspräsident

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Der Alterspräsident ist der älteste Teilnehmer einer Versammlung, insbesondere eines Parlaments. Seine Funktion besteht gewöhnlich darin, die erste Sitzung des Gremiums so lange zu leiten, bis ein Vorsitzender gewählt worden ist.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beispiele und Geschichtliches

Ein Beispiel hierfür ist in Deutschland der Alterspräsident des Bundestages. Im Bundestag hält der Alterspräsident traditionsgemäß die erste, programmatische Rede zu Beginn einer Wahlperiode. Ebenfalls traditionsgemäß wird diese Rede im Bulletin der Bundesregierung veröffentlicht. Die Rede von Stefan Heym vom 10. November 1994 zum Beginn der 13. Wahlperiode wurde als einzige nicht veröffentlicht. Mit der Leitung der Wahl des neuen Parlamentspräsidenten erschöpft sich das Amt des Alterspräsidenten.

Während der Weimarer Republik nutzten nur Wilhelm Pfannkuch, Clara Zetkin und Karl Litzmann ihr Amt als Alterspräsident zu programmatischen Reden.

Die Aufgabe des Alterspräsidenten fiel während der Zeit des Nationalsozialismus weg. Die jeweils erste Sitzung des neuen Reichstages wurde vom amtierenden Präsidenten des vorhergehenden Reichstages eröffnet.

Im Deutschen Bundestag gehört es wie zuvor im Reichstag der Weimarer Republik zur Tradition, dass sich der Alterspräsident zum Beginn der ersten Sitzung formal vergewissert, dass er das Amt zurecht bekleidet. Dies geschieht, indem er sein Geburtsdatum nennt und fragt, ob sich unter den Mitgliedern des Hauses jemand befindet, der vor diesem Datum geboren wurde. Da dies normalerweise nicht der Fall ist, stellt er dies fest und fährt mit der Tagesordnung fort.

Der österreichische Nationalrat kennt die Funktion des Alterspräsidenten nicht. In Österreich eröffnet der Präsident des früheren Nationalrates die Sitzung und führt bis zur Wahl des neuen Präsidenten den Vorsitz. In dem bis 1918 bestehenden Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates war hingegen die Funktion des Alterspräsidenten noch üblich.

Im schweizerischen Nationalrat wird die Funktion seit 2003 nicht mehr vom nach Lebensjahren ältesten Mitglied wahrgenommen, sondern vom amtsältesten. Im Ständerat hingegen gab es seit 1848 kein Alterspräsidium, da es dort juristisch auch keine Wahlperioden gibt.

Im Vereinigten Königreich und ehemaligen Staaten des Britischen Empires kommt im Parlament dem Father of the House (engl.) eine entsprechende Rolle zu. Hierbei handelt es sich um das am längsten kontinuierlich der Versammlung angehörende Mitglied.

[Bearbeiten] Deutschland

[Bearbeiten] Der Alterspräsident der Frankfurter Nationalversammlung

[Bearbeiten] Der Alterspräsident des Reichstags des Norddeutschen Bundes

[Bearbeiten] Die Alterspräsidenten des Reichstags im Deutschen Kaiserreich

[Bearbeiten] Der Alterspräsident der Weimarer Nationalversammlung 1919

[Bearbeiten] Die Alterspräsidenten des Reichstags der Weimarer Republik

[Bearbeiten] Der Alterspräsident des Parlamentarischen Rates

[Bearbeiten] Die Alterspräsidenten des Deutschen Bundestages

  • 4. Wahlperiode (1961–1965): Robert Pferdmenges (1880–1962), (CDU/CSU), für den Abg. Adenauer., der jedoch das Amt nach Ausscheiden aus dem Kanzleramt übernahm
  • 7. Wahlperiode (1972–1976): Ludwig Erhard (1897–1977), (CDU/CSU), Bundeskanzler a. D.
  • 8. Wahlperiode (1976–1980): Von 1976 bis 1977 Ludwig Erhard (1897–1977), (CDU/CSU), Bundeskanzler a. D., ab 1977: Herbert Wehner, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion
  • 9. Wahlperiode (1980–1983): Herbert Wehner (1906–1990), (SPD), Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion
  • 10. Wahlperiode (1983–1987): Willy Brandt (1913–1992), (SPD), Bundeskanzler a. D. für den Abgeordneten und Bundesminister a. D. Egon Franke, der in eine Affäre verwickelt war und die Würde deshalb nicht annehmen wollte
  • 11. Wahlperiode (1987–1990): Willy Brandt (1913–1992), (SPD), Bundeskanzler a. D.
  • 12. Wahlperiode (1990–1994): Willy Brandt (1913–1992), (SPD), Bundeskanzler a. D., eröffnete am 20. Dezember 1990 den ersten gesamtdeutschen Bundestag, ab 1992: Alfred Dregger (1920-2002) (CDU)
  • 13. Wahlperiode (1994–1998): Stefan Heym (1913–2001), (parteilos, Bundestagsgruppe der PDS), ab 1995: Alfred Dregger
  • 16. Wahlperiode (seit 2005): Otto Schily (* 1932), (SPD), bis zum 22. November 2005 geschäftsführender Bundesinnenminister

[Bearbeiten] Die Alterspräsidenten des Bundesrates der Bundesrepublik Deutschland

  • 1. Sitzung (7. September 1949): Johannes Büll (1878–1970), (FDP), Senator der Freien und Hansestadt Hamburg
  • 20. Sitzung (12. Mai 1950): Hermann Fecht (1880–1952), (CDU), Badischer Justizminister

[Bearbeiten] Die Alterspräsidenten der DDR-Volkskammer

  • 7. Oktober 1949: Wilhelm Pieck (1876–1960), SED, leitete die erste Sitzung der Provisorischen Volkskammer in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Deutschen Volksrates
  • 8. November 1950: Otto Buchwitz (1879–1964), SED
  • 16. November 1954: Otto Buchwitz (1879–1964), SED
  • 3. Dezember 1958: Otto Buchwitz (1879–1964), SED
  • 13. November 1963: Otto Buchwitz (1879–1964), SED
  • 13. Juli 1967: Otto Krauss (1884–1971), LDPD
  • 26. November 1971: Wilhelmine Schirmer-Pröscher (1889–1992), DFD/LDPD
  • 29. Oktober 1976: Wilhelmine Schirmer-Pröscher (1889–1992), DFD/LDPD
  • 25. Juni 1981: Wilhelmine Schirmer-Pröscher (1889–1992), DFD/LDPD
  • 16. Juni 1986: Wilhelmine Schirmer-Pröscher (1889–1992), DFD/LDPD
  • 5. April 1990: Lothar Piche (* 1926), DSU

[Bearbeiten] Der Alterspräsident der Länderkammer der DDR

  • Provisorische Länderkammer (11. Oktober 1949): August Frölich (1877–1966), SED
  • 1. Wahlperiode (9. November 1950): August Frölich (1877–1966), SED
  • 2. Wahlperiode (29. November 1954): August Frölich (1877–1966), SED
  • 3. Wahlperiode (10. Dezember 1958): August Frölich (1877–1966), SED

[Bearbeiten] Die Alterspräsidenten des Schweizer Nationalrates

[Bearbeiten] Österreich

[Bearbeiten] Die Alterspräsidenten des Abgeordnetenhauses

Der Präsident des Abgeordnetenhauses wurde nur für die laufende Session gewählt (Sitzungsperiode in einer Legislaturperiode), deren Länge variierte. Nach dem erneuten Zusammentritt des Abgeordnetenhauses zu Beginn der nächsten Session in der gleichen Legislaturperiode hatte deswegen zunächst wieder der Alterspräsident den Tagungsvorsitz inne.

  • 15. September 1870: Karl Freiherr von Pascotini
  • 27. Dezember 1871: Karl Freiherr von Pascotini
  • 4. November 1873: Christian Ritter d'Elvert
  • 7. Oktober 1879: Negrelli (Tirol)
  • 22. September 1885: Posselt (Böhmen)
  • 9. April 1891: Franciszek Smolka
  • 27. März 1897: Emanuel Proskowetz
  • 23. September 1897: Ivan Zurkan
  • 21. März 1898: Ivan Zurkan
  • 26. September 1898: Ivan Zurkan
  • 18. Oktober 1899: Ivan Zurkan
  • 31. Januar 1901: Ferdinand Weigel
  • 17. Juni 1907: Alois Funke
  • 10. März 1909: Alois Funke
  • 20. Oktober 1909: Alois Funke
  • 17. Juli 1911: Viktor Freiherr von Fuchs
  • 30. Mai 1917: Viktor Freiherr von Fuchs

[Bearbeiten] Literatur

  • Heinrich Wilhelm Klopp: Das Amt des Alterspräsidenten im Deutschen Bundestag. Historische Entwicklung, Bestellung, Befugnisse und Rechtsstellung einer Institution des Deutschen Parlamentarismus, Berlin, 2002
  • Michael F. Feldkamp (Hrsg.): Der Bundestagspräsident. Amt - Funktion - Person. 16. Wahlperiode, München, 2007, besonders S. 40–46.

[Bearbeiten] Weblinks

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