Liste der Klassischen Philologen an der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg

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In der Liste der Klassischen Philologen an der ehemaligen Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg sind die Vertreter des Faches Klassische Philologie an der deutschen Universität Straßburg aufgeführt, die von 1872 bis 1918 bestand.

Mit der Gründung der Kaiser-Wilhelms-Universität wurden zwei Lehrstühle für Klassische Philologie eingerichtet, deren Inhaber auch die Klassische Archäologie vertreten sollten. Als erste Professoren wurden der 34-jährige Epigraphiker Ulrich Köhler und der 29-jährige Philologe Wilhelm Studemund berufen. Die philologischen Lehrstühle der Universität Straßburg waren für die meisten späteren Inhaber dritte oder vierte Station. Besonders intensiv war Eduard Schwartz mit der Universität verbunden (Lehrstuhlinhaber 1897–1902 und 1914–1918).

Nach der Niederlage des Deutschen Reichs im Ersten Weltkrieg wurde die Universität Straßburg von der französischen Regierung übernommen und die Professoren der Universität verwiesen.

In Straßburg erschienen von 1879 bis 1918 vierzehn Bände der Reihe Dissertationes philologicae Argentoratenses selectae.

Liste der Klassischen Philologen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angegeben ist in der ersten Spalte der Name der Person und ihre Lebensdaten, in der zweiten Spalte wird der Eintritt in die Universität angegeben, in der dritten Spalte das Ausscheiden. Spalte vier nennt die höchste an der Universität Straßburg erreichte Position. An anderen Universitäten kann der entsprechende Dozent eine noch weitergehende wissenschaftliche Karriere gemacht haben. Die nächste Spalte nennt Besonderheiten, den Werdegang oder andere Angaben in Bezug auf die Universität oder das Seminar. In der letzten Spalte werden Bilder der Dozenten gezeigt.

Wissenschaftler von bis Funktionen Bemerkungen Bild
Ulrich Köhler (1838–1903) 1872 1876 Ordinarius Epigraphiker, Mitarbeiter des Corpus Inscriptionum Graecarum; wechselte als Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts nach Athen; später Professor für Alte Geschichte in Berlin
Wilhelm Studemund (1843–1889) 1872 1885 Ordinarius Plautus-Spezialist; wechselte nach Breslau
Rudolf Schöll (1844–1893) 1876 1885 Ordinarius Nachfolger Köhlers, Spezialist für griechische Rechtsgeschichte, Rhetorik und Geschichtsschreibung; wechselte nach München
August Reifferscheid (1835–1887) 1885 1887 Ordinarius Nachfolger Studemunds, Spezialist für griechische Patristik
Georg Kaibel (1849–1901) 1886 1897 Ordinarius Nachfolger Schölls, Spezialist für griechische Komödie, Philosophie und Epigraphik; wechselte nach Göttingen
Wilhelm Frantz (1865–1937) 1888 1891 Assistent Kaibel-Schüler; wechselte in den Schuldienst
Friedrich Leo (1851–1914) 1888 1889 Ordinarius Nachfolger Reifferscheids, Spezialist für Plautus und Seneca; wechselte nach Göttingen
Eduard Thraemer (1843–1916) 1888 1908 Extraordinarius Privatdozent, 1895 außerordentlicher Professor der Philologie und Archäologie; Spezialist für griechische Frühgeschichte und römische Geschichte Straßburgs
Adolph Kießling (1837–1893) 1889 1893 Ordinarius Nachfolger Leos, Spezialist für römische Dichtung, besonders Horaz
Eduard Norden (1868–1941) 1891 1893 Assistent Bücheler-Schüler, 1892 habilitiert; wechselte nach Greifswald, später nach Breslau und Berlin
Richard Heinze (1867–1929) 1893 1900 Privatdozent Latinist, 1893 habilitiert; wechselte nach Berlin, später nach Königsberg und Leipzig
Richard Reitzenstein (1861–1931) 1893 1911 Ordinarius Nachfolger Kießlings, Papyrologe und Religionswissenschaftler; wechselte nach Freiburg, später nach Göttingen
Eduard Schwartz (1858–1940) 1897
1914
1902
1918
Ordinarius Nachfolger Kaibels, Spezialist für griechische Geschichtsschreibung und Patristik; wechselte wider Willen nach Göttingen, später nach Freiburg und kehrte 1913 nach Straßburg zurück; ging nach der Vertreibung 1919 nach München
Bruno Keil (1859–1916) 1890 1914 Ordinarius Extraordinarius, 1901 persönlicher Ordinarius, 1902 Lehrstuhlinhaber als Nachfolger von Eduard Schwartz; Spezialist für griechische Rhetorik von der Klassik bis zur byzantinischen Zeit; wechselte nach Leipzig
Alfred Klotz (1874–1956) 1905 1911 Privatdozent wechselte nach Prag, später nach Erlangen
Max Wundt (1879–1963) 1907 1914 Privatdozent Dozent für Klassische Philologie und Philosophie; wechselte nach dem Wehrdienst nach Marburg, später nach Dorpat, Jena und Tübingen
Richard Laqueur (1881–1959) 1909 1912 Ordinarius Extraordinarius, 1912 Ordinarius; Spezialist für griechische und römische Geschichtsschreibung, später Althistoriker; wechselte nach Gießen, später nach Tübingen und Halle
Wilhelm Crönert (1874–1942) 1911 1914 Extraordinarius Privatdozent, 1914 Extraordinarius (Nachfolger von Thraemer); Papyrologe und Lexikograph; lebte nach der Vertreibung als Privatgelehrter im Schwarzwald
Otto Plasberg (1869–1924) 1911 1918 Ordinarius Nachfolger Reitzensteins, Spezialist für Cicero; ging nach der Vertreibung 1919 nach Hamburg
Johannes Stroux (1886–1954) 1914 1914 Privatdozent März 1914 habilitiert; wechselte nach einem Semester nach Basel (19. August 1914), später nach Kiel, Jena, München und Berlin

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stephan Roscher: Die Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg 1872–1902. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2006, ISBN 3-631-31854-5