Justizvollzugsanstalt Heilbronn

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Justizvollzugsanstalt Heilbronn
Eingangsbereich
Justizvollzugsanstalts-Information
Name Justizvollzugsanstalt Heilbronn
Bezugsjahr 1870
Haftplätze 321
Mitarbeiter 210
Plan des Gefängnisses von 1873

Die Justizvollzugsanstalt Heilbronn ist eine Justizvollzugsanstalt des Landes Baden-Württemberg und befindet sich in Heilbronn.

Geschichte und Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptanstalt wurde 1867 bis 1870 nach Plänen des ausführenden Architekten Theodor von Landauer errichtet. Das daneben gelegene Freigängerheim entstand 1873 zunächst als Wohngebäude für die Anstaltsmitarbeiter. Das Hauptgebäude hat einen vierflügligen Grundriss („Panoptisches System“). Der Südflügel wurde bei den Luftangriffen auf Heilbronn im Winter 1944/1945 zerstört und in den Jahren 1948 bis 1950 wieder aufgebaut. Einer der Mitbegründer und Gefängnisdirektor von 1873 bis 1896 war Karl von Köstlin, der sich maßgeblich für einen humanen Strafvollzug eingesetzt hatte.

Zuständigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Heilbronn sind erwachsene Männer untergebracht, die eine Strafe von mehr als 6 Monaten zu verbüßen haben.[1]

Außenstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die JVA hat eine landwirtschaftliche Außenstelle, den Hohrainhof bei Talheim. Hier können Gefangene im offenen Vollzug Arbeiten rund um Milchwirtschaft und Ackerbau übernehmen. Einmalig in Deutschland ist die Möglichkeit, im Rahmen des Strafvollzugs Weinbau zu betreiben.

Kapazität und Unterbringung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anstalt beherbergte 2008 im Durchschnitt 321 Gefangene. Einzelzellen sind die Regel. Sie können bei Bedarf mit einer zweiten Person belegt werden. In einer eigenen Abteilung für den Innengelockerten Bereich bestehen auch Viererzellen.

Betreuung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychologen und Sozialarbeiter stehen zu Betreuungs- und Behandlungszwecken zur Verfügung. Es finden Einzel- und Gruppenveranstaltungen statt. Auch externe Ansprechpartner kümmern sich um die Gefangenen, etwa zur Sucht- oder Schuldnerberatung.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Trieb- und Gewalttätern. Für Letztere besteht unter anderem das Projekt Kunst im Knast. Außerdem bestehen Vater-Kind-Projekte und die Möglichkeit eines sozialen Trainings. Es stehen zehn Plätze für eine Arbeitstherapie zur Verfügung. Die körperliche Gesundheit wird durch eine Anstaltsärztin sowie eine Vertragszahnärztin sichergestellt.

Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anstalt verfügt über ein umfangreiches Sportangebot. So bestehen Sportplätze im Freien und Krafträume im Innern. Es können Mannschaftssportarten betrieben werden. Auch Turniere mit Mannschaften anderer Anstalten finden statt. Es gibt eigene Bibliothek mit rund 6000 Titeln. Sprach- und Musikkurse, Billard- und Schachgruppen, religiöse und kulturelle Möglichkeiten runden das Angebot ab.

Arbeit und Fortbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Inhaftierten stehen rund 280 Arbeitsplätze zur Verfügung, davon 166 in Eigenbetrieben. In der Außenstelle Hohrainhof gibt es 40, im Freigängerheim 43 Plätze. Die Gefangenen können eine Berufsausbildung absolvieren, beispielsweise zum Metallbauer, Teilezurichter, Tischler, Buchbinder oder Drucker. Der Hauptschulabschluss (auch italienisch) kann erworben werden. Zudem besteht die Möglichkeit, sich in Sprach-, EDV- oder Maschinenschreibkursen fortzubilden sowie berufliche Fortbildungsangebote zu nutzen.

Arbeitgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anstalt hat 210 Planstellen für hauptamtliche Mitarbeiter. Zusätzlich engagieren sich 90 ehrenamtliche Mitarbeiter.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor von Landauer: Zellengefängnis zu Heilbronn. In: Theodor von Landauer und andere: Gerichtshäuser, Straf- und Besserungs-Anstalten. In: Handbuch der Architektur, Teil 4, Halbband 7, Heft 1. Stuttgart 1900, Seite 415–416, online.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Justizvollzugsanstalt Heilbronn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vollstreckungsplan Baden-Württemberg (Stand 1. Oktober 2009)

Koordinaten: 49° 8′ 11″ N, 9° 13′ 30″ O