Magdalénien
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Das Magdalénien ist ein jüngerer Abschnitt des Jungpaläolithikum in Mittel- und Westeuropa am Ende der Würmeiszeit. Benannt wurde diese archäologische Kultur (etwa 19.000 bis 12.000 Jahre v. Chr.) im Jahre 1869 von Gabriel de Mortillet, nach Funden aus der Halbhöhle La Madeleine in der Dordogne.
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[Bearbeiten] Stufengliederung
Eine erste Stufengliederung schlug Henri Breuil im Jahre 1912 vor:
- Magdalénien inférieur = Stufe I – III
- Magdalénien supérieur = Stufe IV - VI.
Die aktuelle Gliederung ist eine Synthese aus der alten Klassifikation der Geschoss-Spitzen und neuen radiometrischen Daten. Die Korrelation des Magdalénien moyen mit Stufe IV entspricht dabei der neueren Auslegung, während die ältere Sichtweise das Ende von Stufe III und Stufe IV umfasst.[1][2]
- Magdalénien inférieur (Breuil 0-III, in Nordspanien 0-II unbekannt), Datierung ca. 18.000-14.000 BP (Kalt/ Lascaux/ Kalt) = ca. 19.300–14.700 v. Chr.
- Magdalénien moyen (Breuil IV), Datierung ca. 14.000-13.000 BP (Ende Kalt/ Meiendorf-Interstadial = Bölling sensu lato) = ca. 14.700–13.400 v. Chr.
- Magdalénien supérieur/ final (Breuil V-VI), Datierung ca. 13.000–12.000 BP (Spätglazial: Dryas II/ Bölling) = ca. 13.400/14.000–12.000 v. Chr.
[Bearbeiten] Klimageschichte
Vor etwa 15.000 Jahren begann die Eiskappe der letzten Eiszeit im Norden Europas zu schmelzen. Die mitteleuropäische Park-Tundra wanderte langsam nach Norden. Entlang der Donau und in Südfrankreich entstanden die ersten lichten Wälder. Hänge-Birke, Nadelbäume und Haselnusssträucher breiteten sich aus. Die allmählich einsetzende Bewaldung in Mitteleuropa zwang Tier und Jäger, der zurückweichenden Tundra nach Norden zu folgen. Die Fauna bestand aus Wildpferden, Rentieren, Hirschen, Auerochsen, Wisenten und Wölfen.
[Bearbeiten] Archäologisches Erscheinungsbild
Typisch waren Klingenindustrien, die schon erste Tendenzen der Mikrolithisierung zeigten, wie sie im Mesolithikum charakteristisch wurden. Dominierende Jagdbeute der Menschen waren das Rentier und das Pferd. Die Menschen lebten in Gruppen und errichteten Zelte mit einem Durchmesser bis 8 m. Gekocht wurde in Gruben im Boden, die mit Leder oder Tiermägen abgedichtet waren. In diese Gruben gab man im Feuer erhitzte Steine, die die Flüssigkeit zum Sieden brachten. Aushöhlungen in dicken Schieferplatten, in die man Tierfett und einen Docht gab, dienten als Lampen. Das rote Eisenoxyd Hämatit wurde zum Färben und wahrscheinlich auch zur Körperbemalung verwendet. Als Jagdwaffen verwendete man Speerschleudern und Harpunen, mit denen man Weiten bis zu 140 Metern erreichen konnte.[3] Die Jäger folgten den Rentier- und Wildpferdherden bei ihren jahreszeitlichen Wanderungen und versuchten, sie an Engstellen und sich verengenden Tälern zu stellen. An solchen Stellen wurden teilweise hunderte Skelette der erlegten Tiere gefunden. Schmuckschnecken, die aus dem Mittelmeer oder Atlantik stammen, belegen, dass es schon damals einen weitreichenden Handel gab. (Ritz-) Zeichnungen und Verzierungen von Gegenständen zeigen beginnenden Jagd- und Fruchtbarkeitszauber und lassen Riten, vermuten. Wunschobjekte (Jagdbeute, erotische Darstellungen, Fruchtbarkeitssymbole), eventuell auch bereits die Nutzung von Musikinstrumenten, deuten auf eine Ausweitung des Interesses auf Jenseitsvorstellungen und/oder auch einfach auf ein Leben hin, das nicht mehr nur vom reinen Überleben gekennzeichnet war.
[Bearbeiten] Kunstwerke
Aus dem Magdalénien stammen berühmte Höhlenmalereien, in Lascaux, das Basrelief in Angles-sur-l’Anglin, Creswell Crags (Nottingham) an den Ufern des Trent, die jüngeren der freistehenden Petroglyphen im Côa-Tal (Portugal) sowie verzierte bewegliche Objekte, die als jungpaläolithische Kleinkunst bezeichnet werden (siehe z. B. Laugerie-Haute).
Im jüngeren Magdalénien gab es stilisierte Venusfiguren aus Gagat, wie am Petersfels bei Engen oder in Monruz bei Neuchatel.[4] Diesem Stil entsprechen die gravierten Venusfiguren von Gönnersdorf und Andernach im Rheinland.[5][6][7]
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ F. Djindjian, J. Koslowski, M. Otte : Le Paléolithique supérieur en Europe, A. Colin (1999), pp. 257-287.
- ↑ Bosinski, G. 1987: Die große Zeit der Eiszeitjäger. Europa zwischen 40.000 und 10.000 v. Chr. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 34, 13-139.
- ↑ Stodiek, U. (1993): Zur Technologie der jungpaläolithischen Speerschleuder. Eine Studie auf der Basis archäologischer, ethnologischer und experimenteller Erkenntnisse. Tübinger Mo-nographien zur Urgeschichte 9. Tübingen
- ↑ Albrecht, G. & Engelhardt, H. 1988: Eiszeitliche Funde aus dem Brudertal bei Engen. Steinzeitliche Besiedlung der Schwäbischen Alb. Begleitheft zur urgeschichtlichen Ausstellung Engen/Hegau. Mitteilungsblatt der Archaeologica Venatoria 13. Sonderheft. Tübingen 1988
- ↑ Bosinski, G. (1981): Gönnersdorf – Eiszeitjäger am Mittelrhein. Band 2 der Schriftenreihe der Bezirksregierung Koblenz. Koblenz
- ↑ Bosinski, G. (1992): Eiszeitjäger im Neuwieder Becken. 3. Auflage. Archäologie an Mittelrhein und Mosel 1. Koblenz
- ↑ Bosinski, G. & Fischer, G. (1974): Die Menschendarstellungen von Gönnersdorf der Ausgrabung von 1968. Der Magdalénien-Fundplatz Gönnersdorf 1. Wiesbaden
[Bearbeiten] Literatur
- Paul Pettitt, Paul G. Bahn, Sergio Ripoll: Palaeolithic cave art at Creswell Crags in European context. Oxford University Press, 2007. 292 Seiten ISBN 019929917X, 9780199299171
- Bosinski, G. 1981: Gönnersdorf – Eiszeitjäger am Mittelrhein. Band 2 der Schriftenreihe der Bezirksregierung Koblenz. Koblenz.
- H. Floss u. T. Terberger (2001), Die Steinartefakte des Magdalénien von Andernach (Mittelrhein). Die Grabungen 1979-1983. Tübinger Arbeiten zur Urgeschichte Bd. 1 (VML)
- Valoch, K. 2001: Das Magdalénien in Mähren. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 48, 103-159.
[Bearbeiten] Wichtige Fundorte
- Deutschland
- Gönnersdorf und Andernach
- Hohle Fels bei Schelklingen
- Petersfels bei Engen
- Schweiz
- Monruz bei Neuchatel (Schweiz)
- Kesslerloch (Schweiz)
- Frankreich
- Laugerie-Haute (Frankreich)
- Höhle von Les Combarelles (Frankreich)
- Höhle von Lascaux (Frankreich)
- Höhle von Niaux (Frankreich)
- Höhle von Rouffignac (Frankreich)
- Iberische Halbinsel
- Höhle von Altamira (Spanien)
- Höhle von Ekain (Spanien)
- Höhle von Altxerri (Spanien)
- Parque Arqueológico do Vale do Côa (Portugal)

