Senioren-Convent

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Ein Senioren-Convent (SC) ist im allgemeinen ein Gremium, das aus Vorsitzenden von Studentenverbindungen (den Senioren) gebildet wird, bzw. eine Sitzung dieses Gremiums. Im speziellen werden damit meist örtliche Vereinigungen studentischer Corps an den jeweiligen Universitätsstädten bezeichnet.

Senioren-Convente können auch eigene Korporationsverbände bilden, von denen der Weinheimer Senioren-Convent der bedeutendste ist. Dessen Corps sind in Senioren-Conventen im obigen Sinne organisiert, ebenso wie jene des Kösener Senioren-Convents-Verbandes.

Farben Göttinger Studentenmützen des Göttinger SC 1827

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Senioren-Convente wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts an deutschen Universitäten zu dem Zwecke gebildet, einen SC-Comment aufzustellen, der das Leben der Studenten an der Universität und in der Öffentlichkeit regeln sollte. Da damals in akademischen Kreisen sehr raue Sitten herrschten, sollte ein Regelwerk zur Mäßigung der Umgangsformen geschaffen werden.

Von jeher lag großes Augenmerk auf den Regelungen, wie bei Streitigkeiten und Ehrenhändeln, die zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch teilweise sehr formlos mit der Waffe ausgetragen wurden, zu verfahren sei. Der SC-Comment sollte regellose Duelle verbieten und gab präzise Anweisungen für die Umsetzung.

Die örtlichen SC beanspruchten damals das Alleinvertretungsrecht der Studenten an einer Universität. Sie bildeten eine Frühform der heute üblichen studentischen Gremien.

Durch die Bildung der ersten Burschenschaft im Jahre 1815 und Entstehung neuer Arten von Studentenverbindungen ab ungefähr 1840 verloren die SC ihren Alleinvertretungsanspruch. Sie beschränkten sich in der Folgezeit auf die Regelung interner corpsstudentischer Fragen.

Als im 19. Jahrhundert studentische Gepflogenheit stark in die Gesellschaft ausstrahlte, wurde die Bezeichnung auch für öffentliche Gremien verwandt[1][2]

[Bearbeiten] Stellung der SC

Die Stellung der Senioren-Convente in Dachverband ist im KSCV und im WSC sehr unterschiedlich geregelt. Der KSCV ist bereits ausweislich seines Namens ein Senioren-Convents-Verband, damit ist er ein Zusammenschluss der einzelnen (Glied-)SC, die auf dem Kösener Congress allein stimmberechtigt sind, folglich auch einen relativ großen Einfluss auf den Dachverband ausüben und fast alle wesentlichen Befugnisse des Dachverbandes gegenüber den einzelnen Corps direkt wahrnehmen. Der WSC hingegen ist ein Zusammenschluss der einzelnen Corps, die direkte Mitglieder des Verbandes sind, mit einer relativ schwachen Stellung der Senioren-Convente.

[Bearbeiten] Baltische Traditionen

Bei den baltischen Verbindungen in Dorpat und Riga, die sich an den Gepflogenheiten der deutschen Corps orientierten, hieß der Senioren-Convent Chargierten-Convent (abgekürzt Ch!-C!).

[Bearbeiten] Geschichte einzelner Senioren-Convente

[Bearbeiten] SC zu Göttingen

Farbentafel des Göttinger SC 1881

Der erste Göttinger SC-Comment wurde im Frühjahr 1809 mit dem Titel „Allgemeiner Komment der Göttinger Burschenschaft“ von vier Corpslandsmannschaften unterzeichnet.[3] Bei den Unterzeichner handelte es sich um das Corps Guestphalia, die mit der Rhenania vereinigte Hannovera, die (baltische) Ruthenia und die mit der Pommerania vereinigte Vandalia . Der Comment limitierte die Anzahl der Corpslandsmannschaften an der Göttinger Universität auf maximal fünf. Fünfte Corpslandsmannschaft wurde später im Sommer 1809 die Ostfrisia.[4] Am 15. März 1809 wurde erstmals SC-Meldungen zur Personalstärke erstellt, die den Mitgliederstand der einzelnen Corps wieder geben, soweit sie sich erhalten haben. Dieser Göttinger SC schuf 1809 auch einen „Paukcomment“. Durch die Gendarmenaffaire, ausgelöst durch einen Ausritt der Hannoveraner am 17. August 1809, und die damit einhergehenden Untersuchungen des Prorektors Hugo und des Generaldirektors des öffentlichen Unterrichts bei Regierung des Königreichs Westphalen in Kassel Leist, kamen die Aktivitäten der Corps in Göttingen zunächst weitgehend zum Erliegen und wurden erst unter dem Prorektor Tychsen im Wintersemester 1810/11 wieder aufgenommen.[5] Im November 1811 kam es zu neuerlichen Ermittlungen der akademischen Behörden gegen die Corps, nachdem ein Pfeifenkopf mit den Namen von 33 Mitgliedern der Vandalia beschlagnahmt werden konnte. Aufgrund dieser Untersuchungen tarnten sich die im Göttinger SC zusammengeschlossenen Corps immer wieder gegenüber der Universität als harmlose Clubbs von Studenten gleicher landsmannschaftlicher Herkunft. Am 2. April 1813 wurde der SC-Comment von den inzwischen sieben Göttinger Corpslandsmannschaften neu gefasst.

[Bearbeiten] SC zu Heidelberg

Der erste SC-Comment wurde von den Heidelberger Corpslandsmannschaften 1803, ein weiterer im Juli 1806 beschlossen.

[Bearbeiten] Münchner SC

Der erste SC-Comment der heutigen Münchner Corps wurde noch vor Verlegung der Universität nach München (1826) in Landshut etwa um das Jahr 1809 vereinbart. Die Corps sind grundsätzlich nach Dachverbänden getrennt in den Senioren-Conventen zusammengeschlossen, was dazu führen kann, dass zwei SC an einem Ort bestehen (wie in Berlin) oder dass zwar ein Kösener SC besteht, aber ein vor Ort ansässiges Weinheimer Corps einem benachbarten Weinheimer SC angehört. Einzige Ausnahme ist hier der Münchner SC, in dem seit Ende des Zweiten Weltkriegs mit 11 Kösener, 7 Weinheimer, einem verbandsfreien sowie fünf angegliederten auswärtigen alle Corps vor Ort in einem gemeinsamen SC vereinigt sind.[6] Der Münchner SC ist damit der größte deutsche oder österreichische Senioren-Convent und außerdem, neben dem Wiener Cartellverband, der wohl größte örtliche Zusammenschluss von Studentenverbindungen überhaupt.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Seniorenkonvent. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bd. 14, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, ‎ S. 866.
  2. Artikel Hans Erlwein. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. März 2007, 18:49 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hans_Erlwein&oldid=28673733 (Abgerufen: 20. März 2007, 18:52 UTC)
  3. Abgedruckt bei Götz von Selle im Göttinger Universitätstaschenbuch 1929
  4. Franz Stadtmüller: Geschichte des Corps Hannovera zu Göttingen, S. 30 ff.
  5. Franz Stadtmüller: Geschichte des Corps Hannovera zu Göttingen, S. 38 ff., S. 51 ff..
  6. Webseite des Münchner SC

[Bearbeiten] Siehe auch:

Comment

[Bearbeiten] Weblinks

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