Tangermünde

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Tangermünde
Tangermünde
Deutschlandkarte, Position der Stadt Tangermünde hervorgehoben
52.54083333333311.96888888888943Koordinaten: 52° 32′ N, 11° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Stendal
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Tangermünde
Höhe: 43 m ü. NN
Fläche: 22,01 km²
Einwohner: 9493 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 431 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 39585–39590
Vorwahl: 039322
Kfz-Kennzeichen: SDL
Gemeindeschlüssel: 15 0 90 550
Adresse der Stadtverwaltung: Lange Str. 61
39590 Tangermünde
Webpräsenz:
Bürgermeister: Rudolf Opitz (CDU)
Lage der Stadt Tangermünde im Landkreis Stendal
Karte

Tangermünde ist eine Stadt im Süden des Landkreises Stendal im nördlichen Sachsen-Anhalt (Deutschland). Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Tangermünde, der weitere sieben Gemeinden angehören.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Die Stadt Tangermünde liegt südöstlich von Stendal in der Altmark auf einer Hochfläche, die durch eine eiszeitliche Endmoräne gebildet wurde. Sie liegt am linken Ufer der Elbe direkt an der Mündung des Tangers in die Elbe, woher auch der Name Tangermünde stammt. Der historische Stadtkern, Stephanskirche und Burg sind durch ihre Hochlagen vor Hochwasser sicher. Die Stadt Tangermünde ist durch die gut erhaltene Altstadt mit vielen Fachwerk- und Backsteinbauten sowie durch die recht vollständig erhaltene Burg Tangermünde und Stadtbefestigung in Backsteinbauweise bekannt.

[Bearbeiten] Geschichte

Erwähnt wird die Burg von Tangermünde erstmals von Chronisten im Jahre 1009. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt datiert aus dem Jahr 1275. Die Lage auf einer felsigen Endmoräne hoch über der Elbe machte die Stadt zum Erhebungsplatz der Elbzölle und zur markgräflichen Residenz. Im 14. Jahrhundert war Tangermünde zeitweise der Zweitsitz von Kaiser Karl IV. Unter ihm sollte die Stadt zur Hauptstadt der mittleren Provinzen aufsteigen. Aus der alten Burg wurde eine Kaiserpfalz. Nach dem Tod Kaisers Karl IV. kam es zu einer unruhigen Entwicklung in der Mark, bis die Hohenzollern das Kurfürstenamt übernahmen und zunächst in Tangermünde residierten.

Das 15. Jahrhundert ist als die Blütezeit Tangermündes anzusehen. Die Stadttore und das Rathaus in der norddeutschen Backsteingotik entstanden. Die St. Stephanskirche wurde zur gotischen Hallenkirche ausgebaut.

Die Gunst des Kurfürsten Johann Cicero von Brandenburg verlor die Stadt nach der Rebellion von 1488, bei der es um die Biersteuer ging. Die Residenz wurde in der Folge nach Cölln verlegt.

1617 brannte die Stadt fast vollständig ab. Die Schuld daran gab man der Waise Grete Minde, die aus Rache für das ihr vorenthaltene Erbe gehandelt haben soll. Sie wurde zum Tode verurteilt und 1619 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Theodor Fontane inspirierte dieses Ereignis 1880 zu seiner gleichnamigen Novelle.

Tangermünde war Mitglied der Hanse.

Elbtor und St. Stephanskirche
Der Stadtbrunnen vor dem Portal der St. Stephanskirche
Stadtbrunnen, Detail Grete Minde

Nach dem Brand entstanden viele prächtige Fachwerkhäuser, deren geschnitzte Portale und Schmuckformen bis heute zu sehen sind. Die Stadt konnte ihre Bedeutung als Handelszentrum nicht behaupten und wurde zu einer recht unbedeutenden Landstadt.

Während der Gründerjahre des 19. Jahrhunderts entstanden im Norden der Stadt neue Wohn- und Industriegebiete. Der Altstadtkern mit Befestigung wurde in dieser Zeit, im Gegensatz zu den meisten Städten in Europa, nicht angetastet.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus im August 1933 wurden etwa 100 Mitglieder von Arbeiterorganisationen im Rathaus von SA-Männern zusammengetrieben und misshandelt. Ein kommunistischer Bürger erlag den Misshandlungen.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ im Stadtzentrum kaum Spuren. Im Norden der Stadt wurde die 1933 fertiggestellte Elbbrücke 1945 zerstört. Sie sollte zu diesem Zeitpunkt von der Armee Wenck genutzt werden, um den schon eingeschlossenen deutschen Truppen in Berlin zu Hilfe zu kommen.

In der Zeit der DDR blieb die Altstadt unverändert. Zwar verschlechterte sich der Zustand der Bausubstanz, die wichtigsten Denkmale wurden zumindest gesichert. So konnte nach der Wende die Stadt schrittweise wieder restauriert werden. Der 2006 errichtete Stadtbrunnen vor der St. Stephanskirche ist der vorläufiger Abschluss dieser Stadtsanierung. Auf sieben von acht Tafeln des Brunnens, die die Bildhauerin Karolin Donst gestaltete, werden Personen und Ereignisse aus der Geschichte Tangermündes gewürdigt.

[Bearbeiten] Gedenkstätten

  • Gedenkstein auf dem Stadtfriedhof für die Mordopfer Ernst Drong und Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, die bereits 1933 dem Naziterror zum Opfer fielen
  • Gedenktafel am Rathaus zur Erinnerung an die 100 misshandelten politischen Gegner des NS-Regimes unter Hervorhebung der beiden oben genannten Toten, deren Namen auch zwei Straßen tragen

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Stadtrat

Der Stadtrat von Tangermünde setzt sich aus 20 Stadträten und dem Bürgermeister zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 13. Juni 2004)

[Bearbeiten] Wappen

Blasonierung: „In Silber ein roter Adler mit goldener Bewehrung, die Schwingen besteckt mit je einer silbernen Rose mit goldenem Butzen.“

Die Stadt Tangermünde führt dieses Wappen seit ihrer Gründung. In seiner heutigen Darstellung ähnelt es der Form, wie sie im ausgehenden Mittelalter dargestellt wurde. Den brandenburgischen Adler zeigt auch das älteste Siegel um 1300. Die beiden heraldischen Rosen sind als Unterscheidungsmerkmal Zufügungen späterer Zeit.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

Tangermünde unterhält Städtepartnerschaften mit Lich in Hessen, Minden in Nordrhein-Westfalen und Wissembourg in Frankreich.

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten] Bauwerke

Tangermünde um 1650
St. Stephanskirche bei Nacht (2005)
  • Burganlage mit dem ehemaligen Tanzhaus (aus dem 14. Jahrhundert zur Zeit Kaiser Karl IV.), Kapitel- und Gefängnisturm.
  • Das ab 1430 erbaute historische Rathaus Tangermünde auf dem Marktplatz mit seiner spätgotischen Schauwand gilt als Paradestück deutscher Baukunst der Backsteingotik. Darin befindet sich auch das Heimatmuseum. Es veranschaulicht u. a. auch die Geschichte der Grete Minde, die die Stadt 1617 angezündet haben soll und dafür zwei Jahre später auf dem Scheiterhaufen starb.
  • St. Stephanskirche mit der Orgel des Hamburger Orgelbaumeisters Hans Scherer d. J., dem gotischen Dachgewölbe und dem höchsten der zwölf noch erhaltenen Türme der Stadt.
  • Die Salzkirche soll bereits unter Markgraf Johann I. gegründet worden sein. 1456 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurde sie als königliches Salzmagazin und als Kornspeicher genutzt. Heute ist sie Veranstaltungsraum.
  • Die fast vollständig erhaltene Stadtmauer mit Hünerdorfer Tor, Neustädter Tor und Elbtor.
  • Eulenturm
  • Schrotturm
  • Putinnen
  • Rossfurt
  • Steigberg
  • Altstadtmotive
  • Sankt-Elisabeth-Kapelle
  • Denkmal zur Erinnerung an die Soldaten und zivilen Flüchtlinge, die mit dem Übergang über die Trümmer der am 12. April 1945 zerstörten alten Elbbrücke der Roten Armee entkamen.

[Bearbeiten] Museen und weitere Sehenswürdigkeiten

  • Burgmuseum im ehemaligen Wohnhaus des Schlosshauptmannes, dem ältesten erhaltenen Wohnhaus in der Stadt, erbaut 1453.
  • Die Salzkirche ist heute ein Veranstaltungsraum für Musik und Kunst.
  • Das Stadtgeschichtliche Museum im Rathaus
  • Das Museum Zeitzeug am Eulenturm widmet sich dem Alltag der Menschen in der Altmark in den letzten 200 Jahren.
  • In einer über 300 Jahre alten, funktionstüchtigen Kupferschmiede finden Schauvorführungen statt.

[Bearbeiten] Sport

Mit rund 200 Mitgliedern verfügt die Stadt mit dem 1907 gegründeten FSV Saxonia Tangermünde über einen traditionsreichen Fußballverein.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

1826 gründete Friedrich Theodor Meyer die Zuckerraffinerie Tangermünde. Sie stellte seit 1910 die Schokolade Feodora her, die heute von Hachez in Bremen weiterproduziert wird. Das Zuckergeschäft wird von der Firma Zertus in Hamburg betrieben. Die ehemalige Schokoladenfabrik wurde im Jahr 2007 abgerissen.

Heutige wirtschaftliche Standbeine der Stadt sind der Tourismus, die Lebensmittelindustrie sowie der Maschinen- und Schiffbau.

[Bearbeiten] Verkehrsanbindung

Neue Elbebrücke

Nördlich der Stadt verläuft die Bundesstraße 188 (B 188), die Tangermünde mit Stendal und Rathenow und über die B 189 auch mit Wittenberge sowie Magdeburg und der Autobahn A 2 Richtung Berlin und Hannover verbindet. Bis 2001 führte diese Bundesstraße mitten durch die Stadt, was zu erheblichen Verkehrsproblemen führte, da es bis dahin bei Tangermünde nur eine einzige Straßenbrücke über die Elbe zwischen Magdeburg und Wittenberge gab. Durch den Bau der neuen Elbebrücke und der nördlichen Ortsumfahrung in den Jahren 1997 bis 2001 konnten diese Probleme gelöst werden.

Östlich der Stadt verläuft die B 107 zwischen Genthin und Havelberg bzw. Pritzwalk, über die auch die A 2 Richtung Berlin und die A 24 in Richtung Hamburg erreicht werden können.

Tangermünde besitzt einen Bahnhof. Die Verbindung zum Knotenpunkt Stendal mit ICE/IC-Halt stellt seit 1886 eine Bahnlinie der ehemaligen Stendal-Tangermünder Eisenbahn-Gesellschaft her, an der die Stadt bis 1945 maßgeblich beteiligt war. Heute betreibt die Deutsche Bahn den Verkehr. Auf dieser Strecke kam bis 2003 ein moderner Doppelstock-Schienenbus zum Einsatz, der von der Waggonbau Dessau GmbH und der Deutschen Waggonbau AG (DWA) Halle-Ammendorf gebaut wurde und auf den Namen ALMA getauft wurde. Heute verkehren auf dieser Strecke Regionalbahnen im Stundentakt mit ebenfalls modernen Dieseltriebwagen.

Außerdem war die Stadt von 1903 bis 1917 durch die Kleinbahn-AG Tangermünde–Lüderitz mit ihrem westlichen Hinterland verbunden.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

[Bearbeiten] Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen

  • Karl IV. (1316–1378), deutscher Kaiser, richtete in der alten Burg eine Kaiserpfalz ein
  • Johann III. von Blankenfelde (1507–1579), Bürgermeister von Berlin, arbeitete mehrere Jahre als Steuerbeamter in Tangermünde
  • Otto von Grote (1620–1687) Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, war kurbrandenburgischer Amtshauptmann in Tangermünde
  • Wilhelm Zahn (1848–1911), Pfarrer und Altertumsforscher, lebte und arbeitete lange in der Stadt


[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
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