Kapp-Putsch
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Der Kapp-Lüttwitz-Putsch oder Kapp-Putsch vom 13.März 1920 war ein nach fünf Tagen gescheiterter, rechtsgerichteter Putsch gegen die Weimarer Republik, der von Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz mit Unterstützung von Erich Ludendorff angeführt wurde. Er brachte Deutschland an den Rand eines Bürgerkrieges und zwang die Reichsregierung zur eintägigen Flucht nach Dresden und für vier Tage nach Stuttgart. Die meisten Putschisten waren aktive oder ehemalige Angehörige der deutschen Heeres, insbesondere der Marine-Brigade Ehrhardt aus Döberitz sowie Mitglieder der Deutschnationalen Volkspartei.
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[Bearbeiten] Vorgeschichte
Der Putsch richtete sich gegen die von SPD, Zentrum und DDP getragene Regierung unter Gustav Bauer. Allerdings bestand zwischen den Beteiligten keine Einigkeit über die Zielsetzungen, was vor allem auch an dem überstürzten Beginn und den ungenügenden Vorbereitungen lag. So gab es besonders zwischen den Hauptverantwortlichen Kapp und Lüttwitz erhebliche Unterschiede.
Die Regierung Bauer versuchte zwar, die Erfüllung der Bestimmungen des Versailler Vertrages abzuschwächen, gleichwohl musste sie ihm im Wesentlichen entsprechen. Am 10. Januar 1920 trat er in Kraft. Große Teile des Offizierskorps der Reichswehr und die Angehörigen der paramilitärischen und rechtsorientierten Verbände wollten die Reduzierung der Reichswehr − und damit ihre Entlassung − nicht hinnehmen.
Der kommandierende General des Reichswehrgruppenkommandos I in Berlin, Walther Freiherr von Lüttwitz, hatte den Reichspräsidenten Ebert zum Rücktritt aufgefordert und war daraufhin entlassen worden. Daraufhin sah sich von Lüttwitz bereit, die militärische Führung eines Putsches zu übernehmen. Gleichzeitig zeigte sich Reichswehrminister Gustav Noske – und mit ihm Reichspräsident und Regierung – von den Putschvorbereitungen unberührt. Politische und allgemeine Polizei spielten Putschgerüchte herunter.
Die Reichsregierung selbst bemühte sich, den Abbau der bewaffneten Kräfte hinauszuzögern, denn sie sah sich auf die Truppen angewiesen, um der heftigen sozialen Unruhen im Reich Herr zu werden. So endeten etwa im Januar 1920 vor dem Reichstag Auseinandersetzungen um das Betriebsrätegesetz gewaltsam. Zudem war die Frage der Grenzen des Reiches im Osten noch nicht geklärt; polnische Nationalisten versuchten vor den anstehenden Volksabstimmungen Tatsachen zu schaffen.
[Bearbeiten] Hintergrund
Gründe für den Putsch waren die negative Einstellung gegenüber der Republik sowie die Frustration vieler ehemaligen Soldaten, die nun in etwa 120 Freikorps organisiert waren. Außerdem drohte gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages die Entwaffnung und Entlassung aus den militärischen Verbänden, da die zu diesem Zeitpunkt etwa 250.000 Mann umfassende Reichswehr auf 100.000 verringert werden sollte.
Weiterhin kämpften insbesondere die sogenannten Baltikum-Freikorps (aus denen sich die Marine-Brigade Ehrhardt zu einem Teil zusammensetzte) auch nach dem Krieg gegen die vorrückenden bolschewistischen Truppen. Dies wurde von den Alliierten noch geduldet. Nach der Eroberung der lettischen Hauptstadt Riga im Mai 1919 galt der Auftrag als erfolgreich erfüllt. Der folgende Abzugsbefehl wurde seitens der Freikorps ignoriert. Erst als die deutschen Behörden den Nachschub unterbrachen, gaben die Freikorps auf, jedoch mit dem Gefühl, von der eigenen Regierung verraten worden zu sein. Diese Enttäuschung traf sich mit der 1919 gegründeten Nationalen Vereinigung, einer Nachfolgeorganisation der Deutschen Vaterlandspartei aus dem Ersten Weltkrieg, in der Wolfgang Kapp und Hauptmann Waldemar Pabst den Ton angaben. Sie diente vor allem der Koordination der bereits bestehenden rechten Oppositionsgruppen.
[Bearbeiten] Ablauf
Am 29. Februar 1920 löste Reichswehrminister Gustav Noske auf Anweisung der Siegermächte die 5.000 Mann starke Marine-Brigade Ehrhardt sowie die Marine-Brigade von Loewenfeld auf. Diese Einheiten bildeten die Elite der bewaffneten Verbände und waren als Rückhalt im Falle einer Eskalation des Polnisch-Sowjetischen Krieges auf deutsches Territorium vorgesehen.
Am 10. März sprach General von Lüttwitz bei Reichspräsident Ebert vor und forderte ultimativ die Rücknahme des Auflösungsbefehls. Gleichzeitig trug er verschiedene politische Forderungen wie die sofortige Auflösung der Nationalversammlung, Neuwahlen zum Reichstag und die Ernennung von sog. Fachministern, vor. Friedrich Ebert wies im Beisein von Noske diese Forderungen ab und legte dem General den Rücktritt nahe.
In der Nacht vom 12. auf den 13. März 1920 marschierten meuternde Offiziere unter dem Kommando des am 11. März schließlich abgesetzten von Lüttwitz mit ihren Truppen auf Berlin. Viele Soldaten trugen als Ausdruck ihrer „völkischen“ Gesinnung ein weiß gemaltes Hakenkreuz am Helm. Das Vorgehen erfolgte zögerlich, so dass die Regierung Gelegenheit erhielt, zuerst für einen Tag nach Dresden und dann für vier Tage nach Stuttgart zu flüchten.
Am Vormittag des 13. März riefen die SPD-Reichsminister und der SPD-Parteivorstand zum Generalstreik auf; dem schlossen sich am Nachmittag der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) und die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltengewerkschaften (AfA) an. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) sprach sich zwar gegen den Putsch aus, forderte jedoch die „Proletarier“ zunächst auf, mit der Teilnahme an Aktionen noch zu warten.
In einer Besprechung zwischen Noske, Reinhardt und General Hans von Seeckt sprach sich nur der Chef der Reichswehr, Generalmajor Reinhardt für den Einsatz regierungstreuer Truppen gegen die Putschisten aus. Seeckt, der Chef des Truppenamtes war und damit inoffiziell Generalstabschef (die Bildung eines Generalstabs war der Reichswehr von alliierter Seite untersagt), sprach sich dagegen aus. Häufig wird Seeckts Antwort mit den Worten „Truppe schießt nicht auf Truppe“ bzw. „Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr“ zitiert. Auch wenn dafür Belege fehlen[1] äußerte er sich sinngemäß so, da er befürchtete, dass dies die Zerstörung der von ihm aufgebauten Reichswehr bedeuten würde.[2]
Die meuternden Truppen proklamierten den ostpreußischen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp als Reichskanzler. Mit beteiligt am Putsch waren der ehemalige Berliner Polizeipräsident Traugott von Jagow, Waldemar Pabst und der Pfarrer und DNVP-Politiker Gottfried Traub.
Teile der Reichswehr insbesondere in den östlichen und nördlichen Teilen des Reiches sprachen sich für Kapp aus. Im südlichen Teil bekannte sich die Reichswehr dagegen zur Regierung Gustav Bauer. Viele höhere Kommandostellen, vor allem in Westdeutschland, verhielten sich zunächst abwartend.
Das Kabinett Bauer floh größtenteils nach Dresden und von dort aufgrund der unklaren Haltung des dortigen Generals Georg Ludwig Rudolf Maercker weiter nach Stuttgart.
Die Mitglieder der rechtskonservativen DNVP solidarisierten sich mit den Putschisten und unterstützten zum Teil aktiv den Umsturzversuch. Auch Teile der rechtsliberalen DVP sympathisierten mit den Putschisten; die Parteiführung unter Gustav Stresemann nahm eine abwartende Haltung ein.
Am 14. März korrigierte die KPD ihre Haltung vom Vortag und rief zur Beteiligung am Generalstreik auf. Dies lag zum Teil auch daran, dass sich einzelne Bezirke der Partei bereits am Streik beteiligten.
In Thüringen, Sachsen und im Ruhrgebiet (Ruhraufstand) versuchten linksgerichtete Gruppen wie die USPD den Generalstreik in eine zweite Revolution überzuleiten. Dazu wurden spontan bewaffnete Formationen gebildet, die etwa im Ruhrgebiet zwischen 50.000 und 120.000 Mann umfassten.
Es gelang den Putschisten in den folgenden Tagen nicht, sich an der Macht zu halten. Sie fanden nicht ausreichend Unterstützung und stießen in der Berliner Ministerialverwaltung auf Widerstand. Zudem fehlte es den Aufständischen an Einigkeit über ihre eigentlichen Ziele. Einen Anteil am Misslingen des Putsches hatte auch der Generalstreik - der größte in der deutschen Geschichte.
Am 17. März schließlich floh Kapp nach Schweden. Von Lüttwitz wollte nun als Militärdiktator gegen die linken Aufstände vorgehen, hatte aber bereits den Rückhalt in der Reichswehr weitgehend verloren und musste daher ebenfalls zurücktreten. Der Putsch war nach fünf Tagen beendet. Lüttwitz verließ, begleitet von Erich Ludendorff, den die Putschisten mehrfach zur Beratung eingeladen hatten, die Reichskanzlei.
[Bearbeiten] Folgen
Weil die Regierung Wehrverbände wie die Brigade von Hermann Ehrhardt nach der Flucht Kapps gegen die weiter streikenden Arbeiter zu Hilfe rief, konnten sie noch eine Zeit lang weiter bestehen. Die ebenfalls eingesetzte, schwer bewaffnete Sicherheitspolizei (Sipo) setzte Bomben aus Flugzeugen und schwere Maschinengewehre zur „Aufstandsbekämpfung“ ein.
Der neue Reichskanzler Hermann Müller (SPD) ernannte Hans von Seeckt zum neuen Chef der Heeresleitung. Aus der Reichstagswahl im Juni 1920 kurz darauf gingen die extremen Parteien deutlich gestärkt hervor.
Am 21. Dezember 1921 verurteilte das Reichsgericht Traugott von Jagow zur Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft (die mildeste und ehrenhafteste Form der Freiheitsentziehung bei Vergehen und Verbrechen). In diesem Urteil hieß es einerseits sinngemäß, dass § 81 Abs. I Nr. 2 StGB (Hochverrat) die jeweils gültige Verfassung des Deutschen Reichs und damit auch die neue Weimarer Verfassung schützen solle. Auf der anderen Seite hieß es: „Bei der Strafzumessung sind dem Angeklagten (gemeint ist Traugott von Jagow), der unter dem Bann selbstloser Vaterlandsliebe und eines verführerischen Augenblicks dem Rufe von Kapp gefolgt ist, mildernde Umstände zugebilligt worden.“
Das Verfahren gegen zwei Mitangeklagte wurde am gleichen Tag eingestellt. Diese drei Verfahren waren die einzigen Strafverfahren gegen die Putschisten. Zwar stellte sich Kapp nach seiner Flucht im April 1922 todkrank dem Reichsgericht. Jedoch verstarb er vor seinem Prozess am 12. Juni 1922 in Untersuchungshaft.
[Bearbeiten] Gedenken
- Denkmal von Walter Gropius, errichtet am 1. Mai 1922 in Weimar für eine Arbeiterin und acht Arbeiter.
- Gedenktafel im Steinbruch des Galgenberges in Halle (Saale) für die Toten der dort stattgefundenen Kämpfe.
- Friedhof Stöcken (Hannover) Abteilung 64 A: 1-8 und 13 (14 Opfer des Kapp-Putsches).
- Gedenktafel am Bahnhof der Stadt Wetter (Ruhr) für die dort stattgefundenen Kämpfe.
- Gedenktafel am ehemaligen Standort des Rathauses Schöneberg am Berliner Kaiser-Wilhelm-Platz für die Opfer des Putsches
- Gedenkstein für die Opfer des Kapp-Putsches in Berlin-Köpenick
- Gedenkstein für Alexander Futran auf dem Futran-Platz in der Köpenicker Altstadt
- Gedenkstein für die Opfer des Köpenicker Blutsonntages auf dem Futran-Platz
- Gedenkstein für die Opfer in Bochum-Werne (Friedhof)
- Gedenkstein für die Opfer in Bochum-Laer (Park Dannenbaumstraße)
- Mahnmal für die ermordeten Arbeiter der Roten Ruhrarmee in Dortmund (Nordfriedhof)
- Gedenksteine und -tafel auf dem Ehrenfriedhof an der Königshöhe in Wuppertal-Elberfeld
- Inschrift am Rathausportal in Suhl (Im grünen Wald die rote Stadt, die ein zerschossen' Rathaus hatt)
- Gedenkstein für die Opfer in Haltern (Waldgebiet Haard, südl. Haltern)
- Gedenkstein zur Niederschlagung des Kapp-Putsches (Einstellung der Kampfhandlungen) in Berga/Elster/Ortsteil Zickra
- Gedenkstein für die Opfer des Kapp-Putsches vor dem (damals als Kaserne genutzten) Schloß Gottorf (Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum), Schleswig
- Gedenktafel für die Opfer im "Harburger Blutsonntag" an der Schule Woellmerstraße in Hamburg-Heimfeld, der damaligen Stadt Harburg (siehe: Rudolf Berthold (Fliegerhauptmann))
[Bearbeiten] Belege
- ↑ Heinrich August Winkler Weimar 1918-1933, Beck 1993, S.121
- ↑ Gordon Craig Deutsche Geschichte 1866-1945, S.376
[Bearbeiten] Literatur
- James Cavallie: Ludendorff und Kapp in Schweden. Aus dem Leben zweier Verlierer. Lang, Frankfurt [u. a.] 1995, ISBN 3-631-47678-7 (umfassende Abhandlung zu den Ereignissen in Berlin, den Hintergründen den Hauptverschwörern, sowie den Ereignissen nach dem Putsch)
- Johannes Erger: Der Kapp-Lüttwitz-Putsch. Ein Beitrag zur deutschen Innenpolitik 1919/1920. Droste, Düsseldorf 1967 (Nach wie vor das Standardwerk zum Thema, allerdings fehlen hier die Widerstandsaktionen, linken Aufstände usw. fast völlig)
- Sebastian Haffner: Der Verrat. Verlag 1900 Berlin, Berlin 1993, ISBN 3-930278-006
- Erwin Könnemann, Gerhard Schulze (Hrsg.): Der Kapp-Lüttwitz-Ludendorf-Putsch. Dokumente. Olzog, München 2002, ISBN 3-7892-9355-5 (umfassende Quellensammlung)
- Hans J. Reichardt: Kapp-Putsch und Generalstreik März 1920 in Berlin, Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann, Berlin 1990, ISBN 3-87584-306-1
- Hagen Schulze: Freikorps und Republik. 1918-1920. Boldt, Boppard am Rhein 1969
[Bearbeiten] Weblinks
- Informationen zum Kapp-Putsch auf den Seiten des Deutschen Historischen Museums
- Kapp-Putsch und die Admirale auf der Website von Gerhard E. Gründler
- Kapp-Putsch in Kiel, Zeitzeugen und Dokumente

