Rheinland
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Das Rheinland ist eine nicht genau definierte Bezeichnung der deutschen Gebiete am Mittel- und Niederrhein.[1][2]
Vom Rheinland als einer umfassenden Bezeichnung für deutsche Gebiete am Mittel- und Niederrhein mit einer einheitlichen politischen und gesellschaftlichen Struktur lässt sich erst ab 1798 sprechen mit der staatlichen Integration des linken Rheinufers in das revolutionäre Frankreich. Die fortschrittliche Staats-, Gesellschafts- und Rechtsordnung, die modernen Verwaltungsstrukturen und das Wirtschaftssystem prägten die deutsche Bevölkerung links des Rheins nachhaltig, auch nach dem Zusammenbruch der französischen Herrschaft. Die deutschen Staaten, die nach dem Wiener Kongress ihre Territorien auf das linke Rheinufer ausweiteten, respektierten die von Frankreich errichtete Rechtsordnung weitgehend. So blieb der napoleonische Code Civil in allen linksrheinischen Territorien als bürgerliche Rechtsordnung bis zum In-Kraft-Treten des BGB am 1. Januar 1900 erhalten.
Bayern nannte sein linksrheinisches Gebiet zunächst Rheinkreis, später Rheinpfalz, das Großherzogtum Hessen benannte seine linksrheinische Provinz Rheinhessen.
Preußen schuf 1824 die Bezeichnung Rheinprovinz für das linksrheinische Gebiet, das rechtsrheinisch im Wesentlichen durch das Gebiet des von Napoleon hinterlassenen Großherzogtums Berg ergänzt wurde. Die Provinz bestand aus den Regierungsbezirken Aachen, Düsseldorf, Köln, Koblenz und Trier.[2][3] Speziell für diese Provinz bürgerte sich der Name Rheinland ein, auch in seiner latinisierten Form Rhenania.
Das Rheinland in diesem Sinne verteilt sich in der deutschen Nachkriegsordnung als Folge der nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten eingerichteten Besatzungszonen auf Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Im engeren Sinne meint man seitdem oft nur den nordrhein-westfälischen Teil, wenn vom Rheinland gesprochen wird. Namentlich gilt das für den Landschaftsverband Rheinland. Für die Evangelische Kirche im Rheinland hat sich über alle geschichtlichen Umwälzungen hinweg nichts an der ursprünglichen Ausdehnung der Kirchenprovinz geändert, die mit dem Gebietsstand der Rheinprovinz deckungsgleich war.[4]
Der Begriff Rheinland erfuhr zeitweilig eine neue Bedeutungsebene durch die Alliierte Rheinlandbesetzung nach dem Ersten Weltkrieg. Wenn vom besetzten Rheinland gesprochen wurde, so meinte man nicht nur das gesamte linksrheinische Deutschland, sondern auch die rechtsrheinisch besetzten Brückenköpfe um Köln, Koblenz und Mainz.[1]
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographie
Das Rheinland in Nordrhein-Westfalen grenzt im Norden und Westen an die Niederlande sowie im Südwesten an Belgien und im Osten an Westfalen. Der rheinland-pfälzische Teil grenzt im Westen an Belgien und Luxemburg, im Südwesten an das (früher ebenfalls zum Rheinland gezählte) Saarland und im Süden an das Nordpfälzer Bergland sowie die Vorderpfalz. Östlich stößt er an Hessen. Die höchste Erhebung des nordrhein-westfälischen Landesteils ist der in der Eifel gelegene Berg Weißer Stein mit 689 m. Der Erbeskopf im Hunsrück ist mit 816 m die höchste Erhebung des rheinland-pfälzischen Landesteils und damit des Rheinlandes insgesamt und auch der höchste deutsche Berg links des Rheins, der das Land von Südosten nach Nordwesten durchfließt. Zwischen Bingen und Bonn zerschneidet jener das Rheinische Schiefergebirge. Die die so genannte Norddeutsche Tiefebene begrenzende Mittelgebirgsschwelle verläuft östlich des Rheins am Unterlauf der Ruhr entlang, dann in südlicher Richtung ungefähr auf der Linie Mülheim an der Ruhr–Solingen–Bergisch Gladbach–Bonn, dann westlich bis nordwestlich in einem Bogen über Düren nach Aachen.
[Bearbeiten] Landschaften
- Niederrhein
- Rheinisches Ruhrgebiet
- Jülich-Zülpicher Börde
- Kölner Bucht
- Bergisches Land
- Siebengebirge
- Vorgebirge
- Eifel
- Maifeld
- Mittelrhein
- Neuwieder Becken
- Westerwald
- Westen des Siegerlands (im übrigen westfälisch)
- Hunsrück/Naheland
- westlicher Taunus außerhalb Hessens
- Rheinhessisches Hügelland (vorwiegend der Norden)
[Bearbeiten] Bevölkerung und Gemeinwesen
Bei der Bevölkerung des Rheinlandes handelte es sich ursprünglich um Franken, und zwar am Niederrhein um Niederfranken (Salfranken) und weiter südlich um Rheinfranken, die auch als Ripuarische Franken bezeichnet werden. Auf diese gehen auch die Moselfranken als Splittergruppe zurück. In Ortsnamen und Familiennamen wird die fränkische Herkunft noch deutlich. Linksrheinische Städte haben indes häufig lateinische Namen und verfügen über reichhaltige Funde aus der Römerzeit. Auf diese Epoche geht z. B. der Weinbau an Rhein, Mosel und diversen Nebenflüssen zurück. Ferner hinterließen die niedersächsischen Westfalen, die sich ebenso wie die Romanen mit den Franken vermischten, vor allem im Norden merkliche Spuren. Während der Katholizismus traditionell meistenteils überwiegt, leben im Bergischen Land, am nördlichen Niederrhein und im Südosten ebenfalls viele (mitunter auch mehrheitlich) Protestanten. In den Ballungsräumen gibt es zudem einen erhöhten Anteil von Muslimen.
[Bearbeiten] Kreisfreie Städte
Nordrhein-Westfalen: Aachen, Bonn, Düsseldorf, Duisburg, Essen*, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen*, Remscheid, Solingen, Wuppertal*
Rheinland-Pfalz: Koblenz, Trier
[Bearbeiten] Kreise/Landkreise
Nordrhein-Westfalen: Kleve, Wesel*, Viersen, Heinsberg, Rhein-Kreis Neuss, Mettmann*, Rhein-Erft-Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Oberbergischer Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Euskirchen, Düren, Aachen; der Kreis Borken zählt zu Westfalen, die kreisangehörige Stadt Isselburg lag indes bis zur Auflösung des Kreises Rees 1975 im Gebiet des LVR.
Rheinland-Pfalz: Altenkirchen, Neuwied, Ahrweiler, Mayen-Koblenz, Rhein-Hunsrück-Kreis, Cochem-Zell, Bernkastel-Wittlich, Vulkaneifel, Bitburg-Prüm, Trier-Saarburg, Birkenfeld, Bad Kreuznach,
Die mit * markierten Kommunen sind zwar Mitglieder des LVR, jedoch gehören Teile ihrer Gebiete – wie beispielsweise Essen-Katernberg, Oberhausen-Osterfeld, Wuppertal-Langerfeld, Dingden oder die rechts des Deilbachs liegenden Ortsteile von Velbert-Langenberg – historisch zu Westfalen.
[Bearbeiten] Sprache
Im nördlichen Landesteil am Niederrhein bzw. partiell im Bergischen, nördlich der Benrather Linie (Maken/Machen-Isoglosse), herrschen die auf deutscher Seite relativ niederdeutsch geprägten, vom Standarddeutschen beeinflussten, aber gleichwohl als „Niederländisch“ und Rheinmaasländisch klassifizierten Dialekte des Niederfränkischen vor: Kleverländisch/Ostbergisch unterhalb und Limburgisch (Südniederfränkisch) oberhalb der den Niederrhein teilenden Uerdinger Linie (Ick/Ich-Isoglosse). Südniederfränkisch kann als Übergangsmundart zwischen nieder- und hochdeutschem Sprachgebiet betrachtet werden.
Die Gebiete südlich davon liegen im westmitteldeutschen Teil des hochdeutschen Sprachgebiets: Bis in etwa der Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, genauer gesagt bis zur Vinxtbach-Linie (Dorp/Dorf-Isoglosse) wird der nördliche mittelfränkische Dialekt des Ripuarischen, auch als „kölsche Mundart“ bekannt, gesprochen, während es sich südlich dieser Linie um ebenfalls mittelfränkisches Moselfränkisch handelt. Östlich bzw. südlich der Sankt Goarer Linie (Dat/Das-Isoglosse) beginnen die rheinfränkischen Mundarten, zu denen auch Rheinhessisch zählt.
Siehe auch
[Bearbeiten] Brauchtum
Besonders bekannt ist im Rheinland der Karneval, in dem sich der Frohsinn des Rheinländers ausdrückt. Besonders der Karneval in Köln und Düsseldorf ist auch überregional bekannt, ebenso die traditionelle „Feindschaft“ zwischen den beiden Städten, die sich unter anderem in ihren verschiedenen Karnevalsrufen („Alaaf“ für Köln, „Helau“ für Düsseldorf) sowie in Meinungsverschiedenheiten über den Geschmack der jeweiligen regionalen Biersorten (Alt in Düsseldorf, Kölsch in Köln) ausdrückt. In kleineren Städten und auf dem Lande wird der Karneval auch gefeiert, hier ist oft die ganze Bevölkerung an den traditionellen Umzügen beteiligt.
Ebenfalls traditionelles Brauchtum stellen die Schützenfeste am Niederrhein und darüber hinaus dar. Besonders das Neusser Bürger-Schützenfest ist aufgrund seiner hohen Teilnehmerzahl (über 6000 Aktive) bekannt.
[Bearbeiten] Bekannte Rheinländer
- Konrad Adenauer (1876–1967), Oberbürgermeister von Köln, erster Bundeskanzler und zeitweise zugleich Außenminister der Bundesrepublik
- August Bebel (1840–1913), Arbeiterführer, Mitbegründer der SPD
- Ludwig van Beethoven (1770–1827), Musiker und Komponist
- Joseph Beuys (1921–1986), bildender Künstler und Aktionskünstler
- Hildegard von Bingen (um 1098–1179), u.a. Mystikerin und Medizinerin
- Heinrich Böll (1917–1985), Schriftsteller; Nobel-Preisträger
- Wolfgang Bosbach (* 1952), Politiker
- Carl Bosch (1874–1940), Chemiker, Techniker und Industrieller
- Max Bruch (1838–1920), Komponist und Dirigent
- Nadine Capellmann (* 1965), Dressurreiterin und Olympiasiegerin
- Jupp Derwall (1927–2007), langjähriger Bundestrainer der dt. Fußballnationalmannschaft
- Hilde Domin (1909–2006), Schriftstellerin
- Friedrich Engels (1820–1895), Politiker, Unternehmer, Philosoph und Historiker
- Veronica Ferres (* 1965), Schauspielerin
- Andreas Frege alias Campino (* 1962), Musiker
- Heinz-Harald Frentzen (* 1967), Autorennfahrer
- Joseph Frings (1887–1978), Kardinal und Erzbischof von Köln
- Torsten Frings (* 1976), Fußballspieler
- Joseph Goebbels (1897–1945), NS-Propagandaminister
- Gustaf Gründgens (1899–1963), Schauspieler, Theaterregisseur und Intendant
- Heinrich Heine (1797–1856), Dichter und Schriftsteller
- Konrad Henkel (1915–1999), Industrieller
- Karl der Große (742–814), König des fränkischen Reiches, später römischer Kaiser
- Heidi Klum (* 1973), Fotomodell und Schauspielerin
- Heinz-Georg Kramm alias Heino (* 1938), folkloristischer Schlagersänger
- Else Lasker-Schüler (1869–1945), Schriftstellerin
- Karl Marx (1818–1883), Philosoph (Begründer des Kommunismus)
- Wilhelm Marx (1863–1946), deutscher Politiker und Reichskanzler
- Gerhard Mercator (1512–1594), Kartograf und Mathematiker
- Klemens Wenzel Fürst von Metternich (1773–1859), österreichischer Staatskanzler und Außenminister
- Willy Millowitsch (1909–1999), Schauspieler
- Marius Müller-Westernhagen (* 1948), Musiker und Schauspieler
- Günter Netzer (* 1944), Fußballer und Unternehmer
- Lukas Podolski (* 1985), Fußballer
- Stefan Raab (* 1966), Showmaster und Entertainer
- Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888), Sozialreformer
- Johannes Rau (1931–2006), Politiker (u.a. Bundespräsident, Ministerpräsident von NRW)
- Thomas Rupprath (* 1977), Schwimmer
- Jürgen Rüttgers (* 1951), amtierender Ministerpräsident von NRW, ehem. Bundesforschungsminister
- Ferdinand Sauerbruch (1875–1951), Chirurg
- Rudolf Scharping (* 1947), Radsportfunktionär und Politiker (u.a. ehem. Bundesverteidigungsminister, Ministerpräsident von RLP)
- Ursula „Ulla“ Schmidt (* 1949), amtierende Bundesgesundheitsministerin
- Michael Schumacher (* 1969), Autorennfahrer
- Alice Schwarzer (* 1942), Frauenrechtlerin, Schriftstellerin und Herausgeberin der Zeitschrift EMMA
- Hella von Sinnen, eigentlich Hella Kemper (* 1959), Fernsehunterhalterin und Komikerin
- Hans-Hubert („Berti“) Vogts (* 1946), Fußballspieler und -trainer
- Wim Wenders (* 1945), Regisseur
- Isabell Werth (* 1969), Dressurreiterin
[Bearbeiten] Sonstiges
Die Soziale Marktwirtschaft, die unter Bundeskanzler Konrad Adenauer und seinem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard entwickelt wurde, wird auch Rheinischer Kapitalismus genannt – als mildere Form des Kapitalismus in Abgrenzung zum Manchester-Kapitalismus.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Evangelische Kirche im Rheinland
- Jüdische Kulturtage im Rheinland
- Kurrheinischer Reichskreis
- Landschaftsverband Rheinland
- Naturpark Rheinland
- Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis
- Rheinische Republik
- Rheinlandbesetzung
- Rheinländer
- Niederrhein
- Rheinlande
[Bearbeiten] Literatur
- Karl Joseph Simrock: Das malerische und romantische Rheinland, 1851
- Paul Wentzcke, Hans Arthur Lux: Rheinland -Geschichte und Landschaft, Kultur und Deutsche Kunst- und Verlagsanstalt, 1925
- Adolf Kober, Elisabeth Moses, Falk Wiesemann, Friedrich Wilhelm Bredt: Zur Geschichte und Kultur der Juden im Rheinland, Schwann, 1985
- Die Rheinlande und das Reich. Vorträge gehalten auf dem Symposium anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, hrsg. v. Manfred Groten, Redaktion Frank Bartsch, Droste, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-7700-7630-7.
- Walter Marsden: The Rhineland. Hastingshouse/Daytrips Publ. 1973, ISBN 0803820704 (engl.)(vollständige Online-Version (Google Books))
[Bearbeiten] Weblinks
- Landschaftsverband Rheinland: Das Rheinland unter den Franzosen Geschichte des Rheinlands mit mehreren Unterseiten
- Das Rheinland in NRW, Wissensarchiv WDR
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b Rheinland auf Microsoft Encarta
- ↑ a b Meyers großes Taschenlexikon - Band 18. Bibbliographisches Institut Mannheim 1992
- ↑ Das Rheinland in NRW, Wissensarchiv WDR
- ↑ Gerhard Muller: Theologische Realenzyklopädie: Religionspsychologie, Samaritaner - Band 29. Walter de Gruyter 1998, ISBN 3110161273, S. 167–176 (Kapitel Rheinland) (eingeschränkte Online-Version, Google Books)

